Social-Media-Storytelling – Du als Serie

Impuls, Nachwuchsf├Ârderung

Unser Mediennutzungsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren durch das Aufkommen der Computer, des Internets und der Smartphones massiv ver├Ąndert. Eine Flut an diversen Monitoren breiten sich im ├Âffentlichen und privaten Raum aus. Die Dynamik stellt viele etablierte Medienh├Ąuser vor Herausforderungen. Welche Auswirkungen hat die Dynamik auf die Inhalte, die auf den Monitoren betrachtet werden? Was interessiert uns? Wer produziert in Zukunft f├╝r wen?

Lange Zeit war der Fernsehschirm der einzige Monitor in einem Haushalt. Um ihn herum versammelte sich das Netzwerk Familie, um von Profis produzierte Sendungen gemeinsam anzuschauen. Lange Zeit galt das Fernsehen als ÔÇ×Lagerfeuer der NationÔÇť – der Fernsehschirm hatte ein Monitormonopol bei der h├Ąuslichen Bewegtbild-Mediennutzung. Das Aufkommen des Computers erm├Âglichte es einem zuallererst, gesch├Ąftliche Dinge am ÔÇ×Zweit-MonitorÔÇť zu erledigen. Schreibmaschinen verschwanden aus den B├╝ros und wurden durch Computerarbeitspl├Ątze ersetzt. Dann kamen die Computerspiele. Das Betrachten von Unterhaltungssendungen, Filmen oder TV-Serien auf Computern wurde schlie├člich – u.a. mithilfe der Firma Apple – vorangetrieben. Parallel gewannen Web-2.0-Plattformen via YouTube, facebook & Co. an Relevanz, auf denen man sehr kosteng├╝nstig sich und seine Geschichten mit einem vernetzten Publikum teilen kann. Durch die Einf├╝hrung von iPods und Smartphones wurde eine neue Monitorgattung eingef├╝hrt, die uns nun in der Bahn, in Superm├Ąrkten und am Arbeitsplatz tagt├Ąglich begegnet. Inhalte, von Laien produziert, bekommen nun die gleiche Monitor-B├╝hne wie hochwertig produzierte Inhalte. Wir werden zu Programmdirektoren innerhalb unserer Netzwerke.

Wie reagieren Fernsehschaffende in Deutschland auf diese Trends? Es muss weiterhin Programmzeit gef├╝llt und Inhalte gefunden werden mit Sendungen, die ein breites Publikum ansprechen und sich finanziell rechnen. Man programmiert schlie├člich Sendezeit mit Themen seines eigenen Publikums in Form von Talk-, Gerichts- und Castingsshows sowie Scripted Reality-Formaten. Dies soll scheinbar den inhaltlichen Graben zwischen Sender und Publikum ├╝berbr├╝cken und einer Entfremdung von Fernsehschaffenden und seinem Publikum vorbeugen. Durch das Einsparen der Entwicklungskosten und der Gagen der Schauspieler bleibt das Programm rentabel, allerdings auf Kosten der inhaltlichen Qualit├Ąt. Eine Konsequenz: Den TV-Sendern laufen seit Jahren die Zuschauer weg.

Innovative TV-Formate mit weltweiter Publikumsresonanz entstehen woanders: In den USA wandelt sich die klassische TV-Serie zum epischen TV-Roman. Was fr├╝her die Buddenbrooks in Buchform waren, sind nun die Desperate Housewives oder die Geeks von The Big Bang Theory. US-TV-Serienproduktionen nutzen die Medienzeit, die das Publikum ihnen schenkt, um die Biografien der einzelnen Charaktere auszubreiten. Das Publikum kann so seine Lebenszeit mit diesen Charakteren teilen. Die Profis produzieren, das Publikum bleibt ├╝ber die Social-Media-Kan├Ąle direkte Qualit├Ątssicherungs-Instanz f├╝r die Produzenten.

Wohin wird dies f├╝hren? Social-Media-Plattformen werden unsere Medienzeitbudgets immer mehr in Anspruch nehmen. Ob als Startseite im Internet Explorer oder als App auf dem Smarthphone – facebook ist erste Anlaufstelle f├╝r uns im Web. Jede und jeder von uns sammelt und verwaltet dort seine Kontakte. Wir verkn├╝pfen uns mit Freunden, Bekannten, Gesch├Ąftskollegen. Wie in einem Dorf wei├č jede bzw. jeder ├╝ber jede und jeden bescheid. Somit werden wir mit unserer facebook-Chronik immer mehr zum Hauptdarsteller unserer eigenen Serie mit einem sich f├╝r uns interessierenden Publikum. Wir begleiten unsere Freunde durch ihren Alltag und werden durch unseren begleitet. Eine eigene Medienrealit├Ąt entsteht. Das, was fr├╝her Seriencharaktere durchlebt haben, erleben wir nun als Produzenten und Zuschauer in einem.

Beispiel: Ein Freund arbeitet auf einem Kreuzfahrtschiff und dokumentierte seine Reise f├╝r uns auf seiner facebook-Chronik. Wie beim klassischen Traumschiff fahren wir mit ihm um die Welt. Wir freuen uns ├╝ber sch├Âne Bilder von exotischen Reisezielen und bangen mit ihm, wenn er mit dem Kreuzfahrtschiff an der somalischen K├╝ste vorbeif├Ąhrt. Jede Reise ist eine ÔÇ×StaffelÔÇť und hat einen in sich geschlossenen Spannungsbogen. Das ist Social-Media-Storytelling – Du als Serie.

Beim Social-Media-Storytelling gibt es keine Drehb├╝cher mehr. Privatsph├Ąre ist der Drehplan. Unser Tablet/ Smartphone ist der Monitor. Unsere Freunde dokumentieren f├╝r uns ihre Erlebnisse und wir haben die M├Âglichkeit, ob durch Text, Foto oder Film, am Leben der Netzwerk-Freunde teilzuhaben – mit der Chancen der Interaktion. Somit begleiten wir nicht mehr Dr. House durch sein fiktives Leben, sondern Freunde, die man pers├Ânlich kennt – z.B. DICH.


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­čŽŞ Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gr├╝nde. ­čÄČ